Die Nacht der Nächte …
oder Silvia und die 100km von Biel

moin moin,

Ein Ultramarathon ist ein Lauf jenseits der Marathondistanz von 42,195km. Die meisten Ultraläufer träumen davon, nicht nur 60 oder 70km zu laufen, sondern einmal den berühmten 100-km-Lauf von Biel in der Schweiz erfolgreich zu absolvieren.
Dieses Jahr konnte Silvia Rieckmann, die für die Langlinger Roadrunners in Biel gemeldet war, ihren Traum wahrmachen.

Silvia hatte sich über ein Jahr lang in zahlreichen Marathonläufen, die sie als Trainingseinheiten betrachtete und deshalb betont langsam lief, gründlich vorbereitet. Insgesamt kamen in 2015 allein bis Juni bereits 1.500 Trainingskilometer zusammen - es sollte nichts dem Zufall überlassen werden.

Die Nacht der Nächte begann für Silvia am Freitag, den 12. Juni um 22:00 Uhr und sie genoss den Mythos des ältesten 100-km-Laufs, der beginnt, wenn schon an der Startlinie das letzte Sonnenlicht verblasst und sich die Läufer auf die lange Reise durch Biel und sein Umland machen.

Nach der Flaniermeile in der Bieler Innenstadt ging die Strecke nach ca. sechs Kilometern in die Berge und die ersten Steigungen mussten erklommen werden. Wenn es zu steil wurde, war es ratsam auch mal einen Abschnitt zu gehen, um Kraft zu sparen.
Mittlerweile war es stockdunkel und die Läufer bildeten mit ihren Stirnlampen eine Lichterkette, die sich auf den Schotterwegen bergauf und bergab zum Horizont zog.

Nach einigen Verpflegungspunkten, an denen es von Brot über Bananen bis hin zu Brühe, Tee und Wasser viel Gutes gab, kam bei Kilometer 40 in Oberramsern schon der erste Kontrollpunkt, an dem die Startnummer jedes Läufers mit einem Stempel versehen wurde.
Beim Erreichen der 50km-Marke begann - von einsetzendem Vogelgezwitscher begleitet - langsam die Morgendämmerung und Silvia fühlt sich absolut fit für die zweite Hälfte des "Vergnügens". Nach langen regnerischen Abschnitten auf unebenen Waldpfaden verlief die Strecke nach weiteren 2 Stunden endlich wieder auf einer Teerstraße, was Silvia als Asphaltläuferin natürlich sehr entgegen kam.

Nach einigen Kilometern auf dem Uferweg der Aale, bekam Silvia auf dem letzten Teil der Strecke nun doch schwere Beine, aber das gehört eben auch dazu und Silvia besiegte auch dieses Mal den inneren Schweinehund und war überglücklich, als das legendäre Schild "km 99 – FINISH 1km" vor ihr auftauchte.
Mittlerweile war das Läuferfeld so weit auseinandergezogen, dass Silvia den Applaus der Zuschauer ganz allein genießen konnte als sie die Ziellinie überquerte.

12:36:58 Std. ist eine Zeit, die weit unter Silvias Ziel, die 14 Stunden zu unterbieten, lag und ihr obendrein die Berechtigung einbrachte, bei den deutschen Meisterschaften im 100-km Lauf 2016 in Roth teilzunehmen.

Bei einem 100-km-Lauf kommt es natürlich in erster Linie darauf an, gesund anzukommen. Wie gigantisch diese Anstrengung für Silvias Körper war, konnte man daran sehen, dass sie im Ziel die Treppenstufen von den Duschen im Keller hinauf zu den Massageräumen im ersten Stock nicht mehr bewältigen konnte – aber, wie wir Silvia kennen, wird sie nächstes Mal vorher extra noch das Treppenlaufen trainieren :)

Wir Roadrunners gratulieren Silvia zu ihrer außerordentlichen Leistung.

Laufender Gruß
Jens


Aktualisiert (Samstag, den 04. Juli 2015 um 21:46 Uhr)